GEGENWELTEN

Swing in Hamburg, Hans Leipelt und die „Weiße Rose“

25. Januar – 22. April 2015

 

Die Ausstellung veranschaulicht ein grundsätzliches Thema in totalitären Strukturen: Individualität und Freiheitsanspruch auf der einen Seite, Ideologie und Selbstaufgabe auf der anderen. Der zeitgeschichtliche Kontext ist in diesem Fall das „Dritte Reich“ mit dem absoluten Herrschafts-anspruch der Nationalsozialisten. Inmitten von Gruppenzwang und Gleichschaltung eigene Standpunkte zu entwickeln, gleicht einem Prozess von Erkennen, Verhalten und Handeln einzelner Akteure, der zu subjektiven Gegenwelten führen kann. Die Auslöser für solche Prozesse sind  vielfältig, ebenso die Konsequenzen, die von Selbstbehauptung und Nonkonformismus bis hin zu Formen von Regimegegnerschaft und Widerstand reichen. 

Der Swing in Hamburg und seine individuellen Ausdrucksformen repräsentieren eine solche Gegenwelt im „Dritten Reich“, die ihrerseits Reaktionen der Machthaber auslösten. Im Blick auf das zeitgeschichtliche Grundmotiv „Widerspruch und Widerstand“ lässt sich die biografische Wanderausstellung der „Weiße Rose Stiftung“ zu Hans Leipelt in einzigartiger Weise mit dem Thema „Swing in Hamburg“ verbinden.

Swing in Hamburg

 

Leipelt, der sein Chemiestudium an der Hansischen Universität nicht mehr fortführen konnte, wechselte Ende 1941 nach München. Hamburg blieb dennoch sein Lebensmittelpunkt, nicht zuletzt wegen seiner durch die NS- Rassegesetze bedrohten Familie. Nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl und Christoph Probst im Februar 1943 setzte Leipelt mit Gleichgesinnten die Flugblattaktionen der „Weißen Rose“ in München und Hamburg fort.  Mit dem Studenten Karl Ludwig Schneider verband ihn eine enge Freundschaft. Auch für die Familie Leipelt, deren Leben von Ausgrenzung und Entrechtung dominiert war, entstanden dadurch neue Kontakte. Mit diesen Begegnungen wuchsen wieder „Lebensinseln“ (Schneider). Sie bildeten die Grundlage für neuen Zusammenhalt und gegenseitige Ermutigung.

Ein Thema in der Resistenzgeschichte der jüngeren wie älteren Menschen in Hamburg, die in ganz unterschiedlichen Konstellationen zueinander fanden, ist das Phänomen der Swings. So wie die Beschäftigung mit Werken der modernen Kunst und Literatur, die von den Nazis geächtet wurden, ein wesentliches Verständigungselement unter Regimegegnern war, symbolisierte die öffentlich demonstrierte Vorliebe für den „trotzigen Jazz“ ein Erkennungszeichen der Nonkonformität. Auch für Hans Leipelt und seine Freunde war diese „entartete“ Musik Ausdruck einer Gegenwelt.

Die Ausstellung, die bislang unveröffentlichtes Material zeigt, greift Beispiele der Hamburger Swings auf und zeichnet biografische Erinnerungssplitter nach. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Rahmenprogramm. (siehe oben rechts) 

 

 

 

 

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